Sonntag, 20 August 2017
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"Marke Bölck"   (2011) 

Friedrich Bölck wurde 1887 in Lensahn geboren. Nachdem er eine Verwaltungslehre in Eutin absolviert hatte, folgte er seinen kaufmännischen Instinkten und wurde, nach mehreren erfolglosen Anläufen, als Händler zunächst mit  dem Verkauf von Margarine, dann Kaffee, Wurst und Milchprodukten so erfolgreich, dass er in den Jahren nach der Inflation, etwa ab 1924, binnen kurzer Zeit bis zu 5000 Menschen beschäftigte.  

Sein Erfolgsrezept war die regelmäßige Anlieferung der Produkte durch seine Vertriebsmitarbeiter an die Haustür. Hinzu kam die hervorragende Qualität der Produkte, die er, sobald es wirtschaftlich möglich war, in eigener Herstellung produzieren ließ, und deren Qualität er genauestens überwachte.  

Außerdem führte er ein Sparmarkensystem ein, bei dem die Kunden sich den Rabatt in bar auszahlen lassen konnten oder wahlweise einen Gutschein für zwei Erholungswochen ihrer Kinder im firmeneigenen Gut Borstel erhielten. Dieses Angebot fand so starken Zuspruch, dass Erholungsheime an der See dazu gebucht werden mussten. 

Die Margarine wurde in Segeberg in eigener Fabrik hergestellt. In Oldesloe, seit 1910 Bad Oldesloe, wurden die Verwaltungshäuser, eine Kaffeerösterei und eine Schlachterei errichtet. Binnen kurzem war Friedrich Bölck der größte Steuerzahler von Oldesloe.

Er war äußerst spendabel, ließ Strassen pflastern, in seiner Wohnstrasse eine Straßenbeleuchtung anlegen und am Marktplatz  den Gänselieselbrunnen errichten.

Vor allem aber war er bekannt für seine großzügige Art gegenüber den weniger Betuchten. Er hat wohl nie vergessen, dass er sich aus kleinsten Verhältnissen hochkämpfen musste und dass nicht nur harte Arbeit,  sondern auch ein gehöriges Stück Glück dazu gehört, erfolgreich zu sein. Bekannt war er für seine großzügigen Geschenke, etwa zu Weihnachten aber auch und gerade in Notfällen.

Friedrich Bölck war aktiver Sozialist, Mitbegründer der Radikaldemokratischen Partei, aktiv in der Friedensbewegung und unterstützte die Reichsbannerjugend, was ihm Anfeindungen und eingeworfene Fenster durch die Nationalsozialisten einbrachte.

Mit seiner Frau Christina hatte er vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter, die in seinem Betrieb leitende Funktionen übernahmen. Sein zweiter Sohn Fritz, dem all das nicht so lag, entzog sich dem, indem er sich zur Fremdenlegion nach Marseille meldete. Nach einiger Zeit gelang es dem alten Bölck, ihn dort  freizukaufen. Fritz allerdings, der in der Nazizeit zurückkam, hielt es nicht lange aus und ging ein zweite Mal zur Legion.

 Anläßlich der Hochzeit seines Sohnes Walther im Jahre 1927 bot Friedrich Bölck seinen Angestellten an, ihnen ebenfalls die Hochzeit auszurichten, wenn sie am selben Tag heirateten. Elf weitere Paare nahmen das Angebot an, und so wurden  im Kurhaus in Bad Oldesloe 12 Hochzeitstafeln ausgerichtet. Es ging als die Massenhochzeit in die Oldesloer Geschichte ein.

Seiner Tochter Mimi und ihrem Ehemann, dem Reiter Walter Heitmann, richtete er zur Hochzeit das Gut Lasbek ein.

Es gibt verschiedene Versionen über den Niedergang des Bölck`schen Imperiums. Möglich ist, dass die neuen Machthaber ihm durch ihre Verbote von Haustürgeschäften und Lebensmittelkontigentierungen die Grundlagen seiner Erfolge entzogen. Er musste Borstel und auch 1939 Grabau an die Regierung verkaufen, die daraus  ein Heerespferdegestüt machten. Borstel wurde ein SA-Heim.

Seine Margarineproduktion musste er an die Schleswig-Holsteinische-Margarine-Union verkaufen, die später im Unilever-Konzern aufging.  

Seinen Traum, in Bad Oldesloe das Kurhaus wieder neu erstehen zu lassen, wurde ihm durch politische Widerstände verwehrt.

Friedrich Bölck zog sich auf sein Gut in der Nähe von Bad Schwartau zurück, wo er sich der Pferdezucht und seinen Hobbies, vor allem  der Jagd, widmete. Auf der Rückfahrt von einer Angelpartie, bei der er  selber chauffieren musste,  da sein Fahrer einzogen war, verunglückte er 1940 nahe Plön.

Bis in die 30er Jahre gab es in Bad Oldesloe eine Bölck-Straße, die heutige Grabauer Straße.  Jetzt gibt ein etwa 100 m langes Sträßchen namens Friedrich-Bölck-Straße, nicht weit von der Grabauer Straße entfernt. 

Nach dem Krieg versuchte der Sohn Walther Bölck noch einmal, die Erfolge des Vaters zu wiederholen, so dass es bis in die späten 50er Jahre immer noch die rot-weiss-blauen Packungen mit dem goldumrandeten Bölck-Aufdruck zu kaufen gab.

 

Das bewegte Leben des Friedrich Bölck wurde nun zu guter Letzt auch ein Theaterstück (Buch und Regie: Sven Lenz).

Bad-Oldesloe-macht-Theater brachte im Jahr 2011 das Open-Air-Stück   "Marke Bölck"   auf die Bühne.

Ensemble Boelck